Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Mitarbeiter der Verwaltung,
Sehr geehrte Ratskolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Vertreter der örtlichen Presse.
- Es gilt das gesprochene Wort -
Bei der Vorbereitung und den Überlegungen „Wie gestalte ich meine ersten Haushaltsrede“ gibt es sicher eine Vielzahl von Möglichkeiten.
Beginnt man theatralisch in Anlehnung an Heinrich Heine „Denk ich an den Haushalt in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht“ oder betet Mengen von Zahlen, Zahlenkolonnen und Statistiken herunter.
Was Sie hören werden ist die Haushaltsrede des Fraktionsvorsitzenden der Union im Rat der Stadt Wermelskirchen ohne großes Beiwerk und Schnörkel.
Eine Haushaltsrede nach einer Kommunalwahl, in der es für die Union um die erste Standortbestimmung geht. Wir als CDU haben bei der Kommunalwahl kräftig verloren, sind weiterhin die stärkste Fraktion in diesem Rat und wir sind in der Opposition.
Die CDU-Fraktion hat sich die Frage gestellt: “Wollen wir uns als zerstörerische Totalverweigerer oder als konstruktiv mitarbeitende Mahner darstellen?“ Dazu später mehr.
In der Demokratie ist es Aufgabe der Opposition, sich kritisch in Form der warnenden Stimme mit den Vorschlägen der Mehrheit zu befassen, ohne aber im Gegenzug mit eigenen Vorschlägen zum Ziel zu kommen.
Es ist mittlerweile genau 168 Tage ca. 4032 Stunden her, seitdem Sie, Herr Bürgermeister, am 14.12. des vergangenen Jahres den Haushalt eingebracht haben. Eine wirklich lange Beratungszeit, die die Handlungsfähigkeit der Verwaltung beeinträchtigt hat.
Die Union geht davon aus und fordert, dass diese lange Beratungsphase einmalig bleibt.
Bereits in den Ausschussberatungen haben wir als CDU verlangt, dass nicht nach der heutigen Ratssitzung dieser Haushalt beiseite gelegt wird, die Ausschüsse und der Rat sich erst wieder am Tage der Einbringung des neuen Haushaltes 2011, also Ende Januar 2011, mit den Produkten und Zielen des Haushaltes beschäftigen. Wir als CDU fordern, dass in den kommenden Ausschusssitzungen Stück für Stück an den Zieldefinitionen der Produkte und deren Kennzahlen im Dialog zwischen Verwaltung und Politik weitergearbeitet wird.
Alle, die wir uns hier regelmäßig treffen, die Mitglieder des Rates und der Ausschüsse, aber ebenso die Mitarbeiter der Verwaltung, müssen Ziel für Ziel, Kennzahl für Kennzahl gemeinsam diese Grundlage für die Kontrolle, bzw. für die Erledigung ihrer Aufgaben herausarbeiten.
Nach meinem Eindruck stehen wir jetzt an einem Punkt, an dem es auch in den Köpfen gelingen könnte von der alten zahlenfixierten Kameralistik auf den zieldefinierten NKF-Haushalt umzuschalten. Eine Chance, die wir nach 3 Jahren NKF-Haushaltsführung unbedingt ergreifen sollten.
Die Situation, in der wir uns befinden, ist wie im Bund, Land und anderen Kommunen äußerst angespannt. Wermelskirchen steht nicht nur vor dem Haushaltssicherungskonzept, nein, wir sind sogar extrem nah am Nothaushalt.
Wir als Union finden, es ist heute nicht die Zeit, sich in Schwarzmalerei zu vergraben. Sie, Herr Bürgermeister, haben uns in ihrer Haushaltsrede aufgefordert, den Pakt der Vernunft zu bilden. Im Angesicht der globalen finanziellen Schwierigkeiten, es vergeht ja kein Tag in den letzten Monaten, an dem nicht eine weitere neue Hiobsbotschaft aus dem Bereich der Wirtschaft, der Banken, der Länderfinanzen entsteht.
Und das Fatale daran ist, dass sich die viel beschworene Talsohle aller Voraussicht nach erst in den nächsten Monaten auf die städtischen Finanzen auswirkt. Steuereinnahmen werden als Auswirkung der Krise ausbleiben, soziale Ausgaben werden sich auch in Wermelskirchen als Folge der Krise erhöhen.
Aber in jedem Negativen steckt auch etwas Positives. Wir von der Union können auch dieser Situation durchaus positive Betrachtungsweisen abgewinnen.
Die Stadt Wermelskirchen muss sparen.
Das haben die Beratungen ganz deutlich gezeigt und alle haben sich dem Sparen geöffnet.
Auch mit dem Hintergrund dieser schwierigen Ausgangssituation haben wir es als positiv empfunden, dass die Beratungen über den Haushalt in einer Art und Weise von Respekt und Sachlichkeit geprägt waren, was für Wermelskirchen nun wirklich nicht selbstverständlich und alltäglich ist.
Einzig durch unterschiedliche Meinungen und Einschätzungen wird der Motor der Weiterentwicklung in der Demokratie gestartet. Nur durch den Austausch und die Beratungen unterschiedlicher Positionen und dem konstruktiven, zielgerichteten Abwägen der unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten kann etwas Positives entstehen.
In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei allen Kolleginnen und Kollegen in den Ausschüssen und im Rat für den Respekt, die Achtung und die Anerkennung der gegenteiligen Meinung bedanken.
Lassen sie mich aber wieder zurückkehren zum „Pakt der Vernunft“. Aus Sicht der Union hat dieser „Pakt der Vernunft“ noch ein paar kleine Schönheitsfehler. Nehmen wir zum Beispiel die enormen Investitionen im städt. Haushalt für den geplanten Radweg auf der Bahntrasse.
Über Sinn und Gewinn für unsere Stadt aus dieser Maßnahme kann man vortrefflich diskutieren und durchaus zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen. Das ist aber heute nicht unser Kernthema.
Ich rufe in dieser Zusammenhang in Erinnerung: Ist die Geldbörse/ Konto leer, muss man, auch wenn es schwer fällt, sich von Wünschen und Visionen lösen bzw. trennen. Mit Mitteln aus dem städt. Haushalt und Fördermitteln des Landes soll diese Bahntrasse zum Radweg ausgebaut werden. Mehrfach musste ich mir in den Begründungen anhören, diese Chance, den Landeszuschuss von 50, 75 oder 100% können wir uns für diese Maßnahme nicht entgehen lassen.
Nur, meine Damen und Herren der Bündnisfraktionen, was ist zum Beispiel mit der Erneuerung der Beleuchtung im Gymnasium?
Haben wir hier nicht die gleiche Situation?
Eine Maßnahme, die auch zu einem erheblichen Teil mit Landesmitteln unterstützt wird. Bei diesem Sparvorschlag waren wir uns rund um den Tisch einig, auf die Landesmittel zu verzichten und den städt. Anteil zu sparen zum Besten des Haushalts.
Bei der Schule geht es um die Konkurrenzfähigkeit unserer nächsten Generation -- der heranwachsenden Jugend.
In diesem Punkt sind wir alle bereit gewesen zu sparen.
Bei dem Projekt Bahntrasse wird aber weder von Ihnen, meine Damen und Herren der Bündnisfraktionen, noch von den Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion kritisch hinterfragt noch ablehnende Einschätzungen anerkannt.
Wir als CDU haben in diesem Fall erhebliche Probleme mit diesen Investitionsmitteln.
Wir sparen bei den Haushaltmitteln für den Bauhof, bei den Pflegemaßnahmen des Strassenbegleitgrüns, der Grünanlagen und bei der Radweg- und Straßeninstandhaltung.
Alles nachvollziehbare Einsparungen.
Aber beabsichtigen sie, uns einen Radweg zu bauen, den wir anschließend nicht mehr unterhalten können, weil wir bei den Unterhaltungsmaßnahmen sparen müssen?
Oder beabsichtigen Sie einen schönen Radweg als Prestigeobjekt zu bauen und alle bestehenden Rad- und Wanderwege gehen ohne Pflege unter und sind nach einiger Zeit nicht mehr nutzbar? Heißt das im Umkehrschluss die Radwege abseits der Bahntrasse haben keinen Erholungswert sind für die Freizeitgestaltung zu vernachlässigen?
Wir als Union stellen fest, dass es noch mehr Entlastungsmöglichkeiten, über die bisher gemachten Sparvorschläge, hinaus in unseren städt. Haushalt gibt.
Sich diese aber auf Grund der Mehrheitsverhältnisse nicht durchsetzen lassen.
Die Union hat sich in den letzten Wochen zum konsequenten Sparen entschlossen. Wir tragen Einsparungen im Bereich des Mehrgenerationenplatzes vollständig mit. Zusammen mit der SPD-Fraktion sind wir gegen den erneuten Zuschuss für das Freibad Dhünn. Abgesehen von der Tatsache dass wir in diesem Thema an der Nase herumgeführt wurden, und dass mit dem bis zur Jahresfrist erstellte Gutachten zum Freibad nicht begonnen wurde, bzw. nicht einmal konkret nach einem Gutachter gesucht wurde ist für uns emotional enttäuschend.
Wir als Union wundern uns auch über die Fraktion der Bündnis-
grünen. Ich bin doch recht erstaunt, dass Sie zum Beispiel Herr Klein, Frau Polnik oder Frau Grangerè, der Freibadbezuschussung so widerspruchslos zustimmen.
Letzten Endes läuft es doch bei dem Freibad Dhünn, wenn es denn überhaupt noch zu retten ist, auf eine weitere Versiegelung von Natur und landwirtschaftlicher Flächen im Umfeld des Freibades hinaus. Und wenn eine Sauna und Wellnessanlage mit Freibad nicht realisierbar ist, muss sich doch jeder, der sich ein bisschen mit dem maroden Zustand der technischen Einrichtungen beschäftigt hat, einsehen, dass es gegen Null tendierende Zukunftschancen für dieses Bad gibt.
Als dritten Punkt möchte ich die Einnahmesituation in diesem Haushalt ansprechen. Meine Damen und Herren vom Bürgerforum. Sie haben sich in der jüngeren Vergangenheit ganz massiv gegen die Geschäftsausweitungen der BEW positioniert. Herr Scheben, Herr Meller und Herr Platt, Sie alle sind Männer mit einem fundierten Wissen der Betriebswirtschaftlehre. Sie wissen, was es heißt, wirtschaftlich zu handeln und neue Verdienstmöglichkeiten zu erschließen. Und dennoch stellen Sie sich gegen den berechtigten Versuch der BEW, sich den Veränderungen am Markt entgegenzustemmen.
Wenn man den Haushalt auf der Einnahmeseite liest, ist das Unternehmen BEW, ein sehr einträgliches Unternehmen für die Stadt Wermelskirchen. Ohne die Konzessionsabgaben und die Gewinnausschüttungen der vergangenen Jahre an die Stadt Wermelskirchen gäbe es wahrscheinlich keine Möglichkeit dem Nothaushalt zu entgehen.
Darum ist schwer nachvollziehbar, warum sich in den Bündnisfraktionen zwar auch für Sparen entschieden wurde, aber die letztlich durchschlagende Konsequenz nicht zum Tragen kommt.
Man könnte sicherlich noch einige Punkte aus dem Haushalt aufgreifen, aber nicht nur die finanziellen Ressourcen im Haushalt der Stadt Wermelskirchen sind begrenzt, sondern auch unsere zeitlichen Ressourcen am heutigen Abend. Deshalb will ich zum Ende kommen.
Die Union wird sich dem „Pakt der Vernunft“ anschließen. Auch wenn der Sparkurs noch etwas stärker Ausfallen könnte.
Aber wer sich -da sind wir uns doch im Klaren drüber- gegen die Zustimmung zum diesen Haushalt entscheidet, entscheidet sich gegen den Sparwillen.
Wenn man es als Kommunalpolitiker ernst nimmt mit dem Eid „das Wohl der Stadt zu mehren“, den wir als Ratsmitglieder geleistet haben, kann man zum jetzigen Zeitpunkt „Sparen“ in und für unsere Stadt nicht ablehnen.
Bevor ich nun wirklich zum Ende komme, möchte ich mich auch im Namen der CDU-Fraktion noch einmal ausdrücklich bei dem Stadtkämmerer Klaus Stubenrauch für sein Engagement und seinen Einsatz, nicht nur für den letzten Haushalt, sondern auch für die vielen zurückliegenden Haushalte dieser Stadt, Dank sagen.
Vielen Dank Herr Stubenrauch !!
Ich möchte aber auch, dass Sie diesen Dank an die Mitarbeiter der Kämmerei weitergeben. Ebenso geht unser Dank an alle Mitarbeiter dieser Stadtverwaltung, die in Zukunft, also ab morgen, die heute getroffenen Entscheidungen umzusetzen haben.
Auch wenn ich Gefahr laufe mich zu wiederholen, der Stil und die Sachlichkeit, mit der in den letzten Wochen die Beratungen durchgeführt wurden, haben uns als Unionsfraktion und mir als Person besser gefallen, als so mancher unsachlicher Streit und für alle Beteiligten erfolgloser Zank der vergangenen Jahre.
Ich erkläre hiermit für die Fraktion der Christlich Demokratischen Union, dass wir uns als konstruktiv mitarbeitende Mahner zum Wohle unserer Stadt verstehen und dem Haushalt und dem Stellenplan zustimmen werden.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.



