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07.12.2008, 15:54 Uhr
Weik wirft Stellvertreter "ungenügende Arbeitsleistung" vor
Bericht im WGA vom 06.12.2008 von Andreas Weber zu den Vorwürfen von Bürgermeister Weik (FDP) gegen den seit 1993 im Amt befindlichen Dezernenten Jürgen Gräf

In einem dreiseitigen Schreiben an die Ratsmitglieder lässt Bürgermeister Eric Weik kein gutes Haar an dem Beigeordneten Jürgen Graef. Ausgelöst durch die Bekundung von SPD und CDU, Graef für eine weitere Wahlperiode zu tragen, drischt das Stadtoberhaupt hemmungslos auf seinen Stellvertreter ein.Weik bescheinigt ihm eine "ungenügende Arbeitsleistung".




Er habe viele Versuche unternommen, die Motivation und Arbeitstechniken von Herrn Graef auf ein erträgliches Maß zu steigern, behauptet Eric Weik: "Alle Versuche sind gescheitert." Graef sei nicht in der Lage, die zum Teil sehr komplexen Zusammenhänge der großen städtischen Projekte zu erfassen und sie ergebnisorientiert zu steuern.


"Außerdem war Herr Graef zu keiner Zeit teamorientiert oder loyal." Weder zu ihm noch zu den Amtsleitern oder der Politik. Weik spricht von "unerträglichem Chaos", das Graef angerichtet habe beim Umbau der Telegrafenstraße. Als weitere Beispiele für Graefs Versagen pickt sich sein Vorgesetzter "das gewaltige Baugerüst am Bürgerzentrum" heraus und die Dachsanierung im Kindergarten Am Ecker.


Graef sei "orientierungs- und interessenlos", bezichtigt ihn sein Chef. Das habe dazu geführt, dass dieser in den Bereichen, die er beaufsichtige (Bauverwaltung, Soziales, Jugend, Bildung und Sport) zu einer "großen Belastung für die Mitarbeiter der Verwaltung" geworden sei.


Eric Weik schlussfolgert aus seinen Tiraden, dass die Stadt Wermelskirchen nicht - wie von SPD und CDU beabsichtigt - einen weiteren Beigeordneten benötige, sondern "einen, der seine Arbeit mindestens ordnungsgemäß erledigt und nicht einen, der die Verwaltung blockiert und Mehrarbeit produziert".


Jürgen Graef spricht von einem "absoluten Armutszeugnis", das sich der Bürgermeister mit diesem Brandschreiben ausstelle, nennt dessen Stil "unwürdig" mit Unterstellungen fern jeder Wahrheit.

Seit es vor einem Jahr zum Bruch in der Verwaltungsspitze gekommen sei, würde der Informationsfluss an ihm, Graef, oft vorbeilaufen. "Vieles erfahre ich erst von dritter Seite."


Der Beschuldigte will abwägen, mit welchen Schritten er sich wehren kann gegen etwas, was Insider im Rathaus als "Mobbing" bezeichnen. Ob Dienstaufsichtsbeschwerde, das Heranziehen des Anti-Diskriminierungsgesetzes oder rechtliche Schritte - Graef will sich gegen dieses beispiellose Vorgehen "zur Wahrung meiner Interessen und Integrität" auf jeden Fall schützen.


Die Parteien, auf die des Bürgermeisters Vorstoß Eindruck machen soll, stehen dem Inhalt fassungslos gegenüber. Klaus Seeger, Fraktionschef der CDU: "Ich sitze seit 1975 im Rat. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Jedwede Fürsorgepflicht eines Vorgesetzten wird hier über Bord geworfen." Wenn er überlege, mit welchen Vorsätzen Weik vor vier Jahren bei der Personalführung angetreten sei, könne er nur erschüttert feststellen: "Davon ist nichts übrig."


Als Seeger gestern Morgen das CDU-Büro im Rathaus aufsuchte, sei ihm von Mitarbeitern der Behörde zugeraunt worden, dass in dieser vergifteten Atmosphäre alles den Bach runtergehe. Wenn es Weik tatsächlich ernst gewesen sei mit den internen Führungsproblemen, hätte er diese in der Fraktionsvorsitzenden-Runde ansprechen können, um über Lösungen nachzudenken. "Stattdessen diskutieren wir dort über Stadtwappen und Costa Rica."


Durch eine Abwahl Graefs und die damit verbundenen und von der Stadt zu tragenden Pensionsansprüche sei Eric Weik bereit, viel städtisches Geld auszugeben, findet auch CDU-Parteikollege Volker Schmitz. Beide sind sich einig: "Für annähernd den gleichen Betrag erhalten wir zwei auf ihren jeweiligen Fachgebieten qualifizierte Beigeordnete, die unsere Stadt zukunftsfähig aufstellen werden."


Inhaltlich werden die Christdemokraten vor dem Rat am 15. Dezember (16 Uhr; Sitzungsraum der Mehrzweckhalle Dhünn) fest zu ihrer Entscheidung stehen. Ebenso die SPD. Beide Großparteien setzen sich für die Wiederwahl Graefs ein und wollen eine weitere Beigeordneten-Stelle, Schwerpunkt: Bauen, Planen, Stadtentwicklung, einrichten (der WGA berichtete).


SPD-Fraktionsvorsitzender Jochen Bilstein empfindet Weiks desavourierende Verbalattacken als "Theaterdonner übelster Art": "Es gibt in dem Schreiben Aussagen, von denen ich glaube, dass sie nicht mehr mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung abgedeckt sind."


Seit das Verhältnis zu Graef heillos zerrüttet sei, habe Weik mit Hilfe der Fraktionen versucht, diesen auf "menschlich perfide Weise" vorzeitig aus dem Amt zu schassen. Wenn es denn Diskrepanzen gäbe zwischen den Verwaltungs-Oberen, hätte Eric Weik alles tun müssen, diese auszuräumen, Schaden im Sinne der Stadt abzuwenden und nicht noch einmal "Benzin ins Feuer" zu kippen, kritisierte Bilstein.

aktualisiert von Stephan Eisbach, 02.05.2010, 19:06 Uhr
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